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Welche Bedeutung haben geopolitische Umbrüche und ESG für Banken?

Geopolitische Umbrüche und ESG-Themen erfordern von Banken eine strategische Neuausrichtung, um Risiken zu managen und Resilienz zu stärken.


Überblick

  • Geopolitische Umbrüche und ESG: Banken müssen Risiken neu bewerten und ihre Strategien frühzeitig anpassen.
  • Ein strukturiertes Vorgehen ist essenziell. Geschäftsmodell-, Risiko- und Governance-Analysen helfen, geopolitische Herausforderungen zu meistern.

Die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Umbrüche, die auf nationaler wie auch auf internationaler Bühne zu beobachten sind, verleiten den ein oder anderen Marktteilnehmer zu der Annahme, dass das Thema Nachhaltigkeit nun an Bedeutung einbüßt. Dabei sind es gerade die Facetten von ESG, also E: Umwelt, S: Soziales und G: Governance, die nun in ihrer vollen Relevanz deutlich werden. Wir werden Zeugen, wie Ressourcen (Umwelt) gegen Sicherheitszusagen (Soziales) „gehandelt“ werden und wie dabei der Bruch regelbasierter Zusammenarbeit (Governance) in Kauf genommen wird. Wie wirken sich diese Veränderungen konkret auf die Banken aus? Die Risikopositionen in den Kreditportfolios ändern sich, da Sektoren neu gewichtet werden. Die Liquiditätspositionen reagieren auf Zinsschwankungen, die infolge von Strafzöllen oder Handelsbarrieren das Wirtschaftswachstum negativ beeinflussen. Wie sind Institute darauf vorbereitet? Und welche Rolle spielen Governance und Compliance in diesem Kontext?

Diejenigen Banken, die sich bereits intensiv mit der Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten beschäftigt haben, sei es aus intrinsischer Motivation oder aus regulatorischer Notwendigkeit, sind auf die nun anstehenden Herausforderungen aus den geopolitischen Umbrüchen besser vorbereitet.  


Aktuelle geopolitische Umbrüche sind in den nachhaltigkeitsbasierten Risikobetrachtungen der Banken idealerweise schon antizipiert worden.


Geopolitische Umbrüche: neue Risiken für Banken und das ESG-Risikomanagement

Momentan werden mit Wehrhaftigkeit, Landesverteidigung oder Rüstungsgüterversorgung Themen diskutiert, die seit Jahrzehnten im gesellschaftlichen Diskurs nur noch am Rande vorkamen. Es stellt sich die Frage: Sind wir an dem Punkt angekommen, an dem wir zwischen diesen Themen und den nachhaltigkeitsgeprägten Themen des Klimaschutzes, der Umverteilung oder der Good Governance entscheiden müssen, weil in Zeiten knapper Güter und Ressourcen nicht alle Bedürfnisse gedeckt werden können? Der Schlüssel liegt auch hier in der Rolle der Banken, die die Finanzierung der anstehenden Herausforderungen nachhaltig gewährleisten müssen. Sie sind es, die die kurz-, mittel- und langfristigen Strategievorgaben der Stakeholder aus Politik und Gesellschaft aufeinander abstimmen können. Sie sind es, die die Mittel bereitstellen und öffentliche wie private Investoren zusammenbringen. Dabei geht es für die Banken darum, die Risiken einzuwerten. Hierfür sind sie aus der ESG-Implementierung der letzten Jahre bestens gerüstet. Die Banken haben – beispielsweise mit dem Ansatz der doppelten Materialität aus der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) – die Modelle, Methoden und Daten, um zu beurteilen, welche Risiken oder Chancen und welche Abhängigkeiten oder Auswirkungen sich aus den geopolitischen Umbrüchen ergeben.


Aktuelle Umbrüche hängen stark von nationalen und internationalen Entwicklungen ab. Letztere beeinflussen damit die Geschäftstätigkeit der Banken.


Die Ermittlung des eingegangenen Risikoniveaus muss dabei das individuelle Ambitionsniveau der Bank zu den beiden Themenkomplexen GPR (Geopolitische Risiken) und ESG berücksichtigen. Es ist zu bestimmen, ob sich die Bank eher am unteren Ende des Ambitionsniveaus befindet, das Geschäftsmodell also am geringsten Widerstand der Stakeholder ausrichtet, oder ob sie hoch ambitioniert eine Vorreiterrolle beansprucht, beispielsweise indem sie Themenfonds zu Rüstung und Verteidigung auflegt – Themen und Produkte, die bis vor Kurzem als Sin Funds „gebrandmarkt“ waren. Letztendlich erfolgt dann die Steuerung der Risiken anhand von Budgetierung und Limitierung kennzahlenbasiert. ESG-bezogene Steuerungskennzahlen sind beispielsweise aus der nachhaltigkeitsbezogenen Offenlegung bekannt. Geopolitische Kennzahlen hängen von der Portfoliostruktur der Bank ab. Die Beurteilung des Sektoren- oder Regionen-Exposure erfolgt zum Beispiel anhand folgender Faktoren:

  • Strafzölle und Handelsbarrieren (Prozent auf Handelsvolumen)
  • Innovationskraft (Anzahl Patente je 100.000 Einwohner)
  • Politische Stabilität (Quotient Legislaturperioden abgeschlossen/abgebrochen)
  • Wirtschaftspolitik (Wachstumsrate in Prozent)
  • Auslandsinvestitionen (FDI in Euro)

Dies verdeutlicht, dass neben der inhaltlichen Parallelität der Themenblöcke in der Banksteuerung der integrierte Risikoaspekt mit den entsprechend qualifizierten Ressourcen sicherzustellen ist. Diese zu rekrutieren und auszubilden, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für den Umgang mit geopolitischen Umbrüchen.


Gemeinsam mit Ihnen finden wir Antworten auf die Herausforderungen der aktuellen Umbrüche und deren Auswirkungen auf Ihr Haus. Die Stärkung der Resilienz Ihres Hauses ist unser Ziel.


ESG-Risikomanagement als Antwort auf geopolitische Risiken in Banken

Angesichts der Tatsache, dass geopolitische Umbrüche und ESG-bezogene Themen zwei Seiten derselben Medaille sind, ist die strukturierte Ermittlung des Handlungsbedarfs für Banken dringend erforderlich. Das Vorgehensmodell von EY führt Sie fokussiert an die kritischen Themen heran und zeigt Handlungsoptionen auf:

  • Geschäftsmodellanalyse: Review der Strategie mit Fokus auf Zielen, Methoden und Instrumenten. Wo sind GPR und ESG in der Strategie berücksichtigt? Wie sind GPR und ESG im Management Reporting integriert? Welchen finanziellen Impact haben GPR und ESG?
  • Zielmarktanalyse: Auswertung der Auslandsaktivitäten der Kreditnehmer. Wie entwickeln sich Zins- und Währungsrisiken? Welche Aufwände und Erträge resultieren für die Bank aus geopolitischen Umbrüchen?
  • Kundensegmentanalyse: Analyse der Portfolios mit Fokus auf Kundengruppen, Sektoren und Regionen. Welche Segmente sind exponiert? Wie sind die Adressen gegenüber geopolitischen Umbrüchen gesichert?
  • Produkt- und Dienstleistungsanalyse: Einwertung des Produkt- und Dienstleistungskatalogs mit Fokus auf GPR und ESG. Wie sind ESG-Themen in GPR eingebunden? Welche GPR-KPIs kommen bei Limit- und Budgetsteuerung zum Einsatz?
  • Governance- und Compliance-Analyse: Beurteilung der Effizienz und Effektivität mit Fokus auf Regulatorik und Aufsicht. Wo sind Rollen und Verantwortlichkeiten? Wie resilient sind Aufbau- und Ablauforganisationen? Welche prudenziellen Aspekte sind relevant?
  • Risikoanalyse: Review des Risikomanagements mit Fokus auf Daten, Modellen und Szenarien. Welche Datenformate und -quellen werden genutzt? Wie sind geopolitische Umbrüche in ICAAP und ILAAP modelliert?

Es ist zu erwarten, dass die Banken in den kommenden Jahren noch stärker geopolitischen Umbrüchen ausgesetzt sein werden und der Handlungsbedarf entsprechend steigen wird. Daher ist die frühzeitige Beschäftigung mit dem Thema strategisch hochrelevant.
 

Kernbereiche für den Umgang mit geopolitischen Umbrüchen

Um erfolgreich zu sein, müssen sich Banken auf drei Kernbereiche konzentrieren:

  1. klar definierte und abgenommene Governance-Struktur für ESG und GPR
  2. integriertes und umfassendes ESG-/GPR-Risikomanagement
  3. umfassende Compliance in Bezug auf geopolitische Risiken und aktuelle ESG-Neuerungen

Die Unterstützung durch Aufsichtsrat und Vorstand ist entscheidend, um Risiken für Mitarbeitende, Betriebsstätten und Vermögenswerte der Kunden in einem komplexen globalen Umfeld zu managen.

Die Stärkung ihrer Resilienz, also ihrer Widerstandsfähigkeit, ist in einem sich ständig wandelnden Umfeld für Banken unerlässlich. Die integrierte Betrachtung von ESG-Themen und den Themen, die den geopolitischen Umbrüchen zugrunde liegen, zeigen, worauf Banken aufbauen können, wenn sie sich mit ESG beschäftigt haben. Diejenigen, die das bisher vernachlässigt haben, müssen jetzt damit beginnen.

Fazit

Geopolitische Umbrüche und ESG-Themen sind eng miteinander verknüpft und beeinflussen Banken maßgeblich. Die veränderten Risiken erfordern eine Neuausrichtung der Kreditportfolios, der Liquiditätsstrategien und der Governance-Strukturen. Banken, die ESG bereits integriert haben, sind besser vorbereitet. Ein strukturiertes Vorgehen – von der Geschäftsmodell- bis zur Risikoanalyse – hilft, die Resilienz zu stärken. Entscheidend sind klare Governance-Strukturen, ein umfassendes Risikomanagement und Compliance. Frühzeitige Anpassungen sind essenziell, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen.

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